Vom Verbrenner zur Zukunft

Wie Umwelttechnik-Schüler der Gottlieb-Daimler-Schule 2 den Strukturwandel mitgestalten

Baden-Württemberg steht vor einem tiefgreifenden wirtschaftlichen Wandel. Jahrzehntelang war die Automobilindustrie Garant für Wohlstand und Beschäftigung. Doch mit der Transformation hin zu Elektromobilität, erneuerbaren Energien und ressourcenschonenden Technologien entstehen neue Anforderungen an Wirtschaft und Gesellschaft. Während die Landespolitik Greentech als künftige Leitbranche sieht, wird an der Gottlieb-Daimler-Schule 2 in Sindelfingen bereits daran gearbeitet, die Fachkräfte von morgen auf diese Entwicklung vorzubereiten.
Das Technische Gymnasium mit dem Profil Umwelttechnik verbindet naturwissenschaftliche Grundlagen mit praxisnahen Projekten rund um das Leitthema „Ressourcen nachhaltig nutzen“. Im Seminarkurs entwickeln die Schülerinnen und Schüler jedes Jahr eigenständig Lösungen für reale Fragestellungen aus den Bereichen Energie, Mobilität, Kreislaufwirtschaft und Nachhaltigkeit. Dabei entstehen Projekte, die zeigen, wie vielfältig Umwelttechnik heute ist und welche Kompetenzen künftig gefragt sein werden.
Ein besonders anspruchsvolles Vorhaben beschäftigt sich mit der Mobilität von morgen. Eine Schülergruppe hat begonnen, eine Piaggio Ape 50 vollständig von einem Verbrennungsmotor auf einen vollelektrischen Antrieb umzurüsten. Dafür mussten zunächst sämtliche Komponenten des bisherigen Antriebs ausgebaut werden. Anschließend wurden Radnabenmotoren integriert und die komplette elektrische Antriebstechnik neu konzipiert. Besonders herausfordernd war die Entwicklung und Erprobung der Steuerungs- und Batteriemanagementsysteme auf einem eigens aufgebauten Prüfstand. Im kommenden Schuljahr wird eine weitere Projektgruppe die Technik in das Fahrzeug integrieren und den Umbau abschließen. Das Projekt verbindet Fahrzeugtechnik, Elektrotechnik, Informatik und Energiespeicherung eben genau jene Disziplinen, die den Wandel der Automobilindustrie prägen.
Dass Energiewende weit mehr bedeutet als Technik, zeigt ein weiteres Projekt im Rahmen des europäischen Erasmus+-Programms. Gemeinsam mit Partnerschulen aus Österreich, Luxemburg und Kroatien entwickelten Schülerinnen und Schüler ein zerlegbares Windrad, das für Messversuche und Präsentationen eingesetzt werden kann. Parallel entstand ein politisches Planspiel, bei dem verschiedene Interessengruppen über den Standort einer kommunalen Windkraftanlage verhandeln. Dabei lernen die Teilnehmenden, dass nachhaltige Technologien nicht allein technische, sondern ebenso gesellschaftliche Herausforderungen darstellen.
Nachhaltigkeit beginnt jedoch oft im Kleinen. Gemeinsam mit der Stadt Sindelfingen plante eine Schülergruppe einen Tiny Forest auf einer städtischen Fläche. Die kleinen, dicht bepflanzten Wälder verbessern das Mikroklima, fördern die Biodiversität und schaffen innerstädtische Lebensräume. Mit der Umsetzung übernehmen die Jugendlichen Verantwortung für ihre eigene Umgebung und erleben Umweltgestaltung unmittelbar.
Kontinuierlich weiterentwickelt wird auch das seit mehreren Jahren bestehende Tiny-House-Projekt im Energiepark der Gottlieb-Daimler-Schule 2. Aus dem ursprünglichen Modellhaus entstand inzwischen ein intelligentes Smarthome mit einer selbst entwickelten Mikrokläranlage zur Aufbereitung des Abwassers. Das Projekt verbindet energieeffizientes Bauen, Digitalisierung und nachhaltige Wasserwirtschaft zu einem ganzheitlichen Konzept modernen Wohnens.
Ebenso wird die Nutzung erneuerbarer Energien praktisch umgesetzt. Eine bereits entwickelte Solar-Ladestation für Pedelecs und E-Scooter wurde technisch verbessert und erfolgreich in Betrieb genommen. Gleichzeitig entstand im Bereich Mechatronik eine Reihe kleiner Experimentieranlagen zur automatisierten Sortierung unterschiedlicher Materialien. Diese werden nicht nur im Unterricht eingesetzt, sondern auch bei Programmierkursen des Jugendforschungszentrums Sindelfingen mit jüngeren Schülerinnen und Schülern erprobt und weiterentwickelt.
Die Projekte machen deutlich, dass Umwelttechnik weit mehr ist als Klimaschutz. Sie vereint Maschinenbau, Elektrotechnik, Informatik, Automation, Umweltwissenschaften und nachhaltiges Wirtschaften. Genau diese interdisziplinären Kompetenzen werden in einer Zeit benötigt, in der Baden-Württemberg den Wandel von der klassischen Automobilindustrie hin zu einer modernen GreenTech-Wirtschaft gestalten muss.
Die Schülerinnen und Schüler der Gottlieb-Daimler-Schule 2 lernen deshalb nicht nur theoretische Inhalte, sondern entwickeln Lösungen für reale Zukunftsfragen. Sie übernehmen Verantwortung, arbeiten projektorientiert und kooperieren mit Kommunen, europäischen Partnern und außerschulischen Einrichtungen. Damit zeigt das Profil Umwelttechnik eindrucksvoll, wie Schule bereits heute einen Beitrag zum Strukturwandel leisten kann – und wie aus jungen Menschen die Fachkräfte entstehen, die Baden-Württemberg für seine wirtschaftliche und ökologische Zukunft dringend braucht.

Am kommenden Montag, den 20.07.2026 findet um 19 Uhr an der GDS2 ein weiterer Infoabend unseres Technischen Gymnasiums statt. Kommt vorbei und überzeugt euch selbst von diesem spannenden Profil unserer Schule.

 
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