Manches fügt sich sehr glücklich. Zum Beispiel, dass an der Gottlieb-Daimler-Schule 2 (GDS2) Schreiner ausgebildet werden und dass in der Berufsfachschule, die beim Schreiner das erste Lehrjahr darstellt, eine Juniorenfirma existiert. Eine Juniorenfirma ist ein Betrieb, der von den Schülerinnen und Schülern selbst verwaltet und geführt wird. Ziel ist es, in betriebliche Abläufe intensiv hineinschnuppern zu können und -wenn man mag- sich in einer leitenden Funktion auszuprobieren. Im geschützten Rahmen können so erste Erfahrungen mit der beruflichen Selbständigkeit gemacht werden.
Thomas Möseler und Alex Blum haben sich auf dieses Abenteuer eingelassen und wurden nach Durchlaufen eines Bewerbungsprozesses zu Geschäftsführern bestellt. Die Juniorenfirma hat an Leitungsaufgaben außerdem noch zwei Personen als Abteilungsleitungen. Die restlichen Personen in der Klasse sind in der Position eines Mitarbeiters in der Produktion.
Jeder Kundenauftrag beginnt mit einem Kundenkontakt. Das ist bei einem realen Wirtschaftsbetrieb nicht anders. Dieser Kontakt fand bei diesem Auftrag zwischen den beiden genannten Geschäftsführern und Tobias Kling, dem stellvertretenden Schulleiter der GDS2, statt. Auf dem Außengelände der GDS2 stehen entlang der Wege und auf dem Schulhof eine Menge größerer Betonwürfel. Häufig sind die Würfel zu einer längeren Reihe gruppiert. Um keinen kalten Popo zu bekommen, waren die Würfel als Sitzgelegenheiten bisher mit Auflagen aus Holzleisten versehen. Diese waren deutlich in die Jahre gekommen, sodass ein Austausch notwendig war. Die Erneuerung von 52 dieser Auflagen umfasste der Kundenauftrag.
Dem Kunden wurden unterschiedliche Gestaltungsvarianten vorgelegt. Die Variation stellte dabei die Anzahl an Leisten und die Abstände zwischen den Leisten dar. Auch verschiedene Kantenausführungen wurden vorgestellt.
Nach Festlegung durch den Kunden erfolgten die Materialmengenberechnung und die Materialbestellung. Als Material wurde Eichenholz gewählt, denn von diesem weiß der Fachmann, dass es als besonders dauerhaft bei Bewitterung gilt. Die einzelnen Leisten mussten abgelängt, ausgehobelt, an den Kanten angefast und dann durch eine Lasur geschützt und über Querleisten verbunden werden, um nur einige Arbeitsgänge zu nennen.
Die Längs- und Querleisten wurden nicht einfach zusammengeschraubt, sondern aus Gründen des Holzschutzes über Abstandhalter montiert, wie es sie beispielsweise für den Einsatz bei Holzterrassen gibt. So wird der Bildung von Feuchtenestern in der Konstruktion und somit Fäulnis vorgebeugt. Geschraubt wird von unten nach oben. So bleibt die Verschraubung unsichtbar und eine Bohrung in den Sitzleisten -eine Eindringpforte für Feuchtigkeit und nachfolgend Fäulnis- kann vermieden werden. Zudem wurde zwischen die Betonquader und die Querleisten aus demselben Grund ein Holzschutzband aus Zellkautschuk gelegt, bevor die Holzkonstruktion auf die Betonquader geschraubt wurde.
Gefragt nach der Motivation der beiden Geschäftsführer, sich gerade auf diese Position zu bewerben, erfolgten unterschiedliche Antworten:
Thomas Möseler war es wichtig, neue Erfahrungen zu machen. Auch dass er durch das Schaffen von bleibenden Werten einen „Fußabdruck“ an der GDS2 hinterlässt, hob er hervor.
Alex Blum bewarb sich erst auf diese Position, nachdem er von mehreren Mitschülerinnen und Mitschülern angesprochen wurde, dass er doch der Richtige auf dem Geschäftsführerposten sei. Er selbst hatte sich dort eigentlich nicht gesehen.
„Wir wurden am Anfang ins kalte Wasser geschmissen und es hat schon etwas gedauert, in der neuen Rolle anzukommen“, berichteten die beiden. „Den zeitlichen Aufwand haben wir total unterschätzt. Wir hätten niemals gedacht, dass wir dafür ein ganzes Schuljahr brauchen. Aber die Juniorenfirma fand in unserem Stundenplan nur alle zwei Wochen für einen Halbtag Platz. Dieser lange Abstand zwischen den Terminen erwies sich auch als Schwierigkeit, denn wir mussten uns jedes Mal wieder neu eindenken. Und auf dem Weg zum Ziel mussten wir auch manchen Durchhänger bei uns und unseren Mitarbeitern überwinden.“
"Mit der Qualität der abgelieferten Arbeit sind wir sehr zufrieden, als Prozentwert ausgedrückt sind wir bei 90%. Insbesondere mit der optischen Wirkung sind wir sehr glücklich. Da zeigt sich das besondere Talent von Holz: Die dekorative Wirkung“, so Thomas Möseler und Alex Blum abschließend.

