Holz, Gehäkeltes, Katzen. Das liebt Marissa Mennel besonders. Und das muss deshalb an ihrem Gesellenstück, das sie als Prüfungsstück zum Abschluss ihrer Schreinerausbildung baut, unbedingt zu finden sein. 80 Stunden Arbeitszeit sind dafür aufzuwenden. In der Gestaltung ist man frei.
„Ich habe mir überlegt, dass mein Freund und ich für unser gemeinsam bewohntes Haus ein Flurmöbel brauchen“, berichtet sie. „Alle meine Ideen und Wünsche an und in diesem Flurmöbel unterzubringen, war eine echte Herausforderung.“
„Das Möbel besteht aus einer Kombination von Eichen- und Nussbaumholz“, so die junge Frau aus Simmozheim, die ihre Ausbildung bei der Schreinerei Wiemer in Weil der Stadt – Merklingen macht, wo sie nach dem Abschluss der Ausbildung auch sehr gerne bleiben möchte.
Sie liebt ganz besonders den Farbton, die Optik und die Haptik von Eichenholz. Deswegen werden die Teile aus Eiche auch nicht lackiert, sondern mit einem Rohholzeffektöl geschützt.
Marissa Mennel liebt auch Handarbeiten, zum Beispiel das Häkeln. Deshalb bildet eine Häkelarbeit mit Katzenmotiv einen Teil der Möbelfront ihres Gesellenstücks. Das Häkelbild kann natürlich ausgetauscht oder ganz weggelassen werden. Dann zeigt sich an gleicher Stelle Nussbaumfurnier von seiner schönsten Seite.
Die Katzen sind ihre dritte große Liebe. Zwei der Samtpfoten, Sammy und Tiger, gehören mit zum Haushalt des jungen Paares.
Es gibt aber noch viel mehr Dinge, die Marissa Mennel liebt und die sich deshalb an ihrem Flurmöbel finden: die Optik von französischem Fischgrät, die sie von einem von ihrem Betrieb verlegten Holzfußboden kennt. Deshalb hat sie diese Optik für die Ablageplatte des Flurmöbels verwendet. Sie liebt auch den Gedanken, dass Dinge ein zweites Leben bekommen. Diese Idee ist beim Tür- und Schubkastengriff verwirklicht, die sie second hand erworben hat und aus gestalterischen Gründen schwarz lackiert hat. Das aufgrund der Prüfungsregularien vorgeschriebene Schloss an ihrem Flurmöbel ist übrigens von der Korpusunterseite aus bedienbar und damit unsichtbar. Denn eins hätte sie nicht geliebt: ein Schlüsselloch in der Möbelfront.
Vor ihrer Schreinerausbildung hat Marissa Mennel fünf Jahre im Kindergarten gearbeitet. Ihr Berufsziel hat sich dann aber gewandelt und das berufliche Fernziel ist Restauratorin. Für diesen Beruf ist eine Schreinerausbildung mehr als gewinnbringend.
Das Berufsbild des Schreiners hat sich im Laufe der Zeit stark gewandelt. Inzwischen haben computergesteuerte CNC-Maschinen in vielen Schreinerbetrieben Einzug gehalten. Vorteilhafterweise bietet die Gottlieb-Daimler-Schule 2 in Sindelfingen, die Marissa Mennel während ihrer Ausbildung besucht hat, eine Zusatzqualifikation zur CAD/CNC-Fachkraft an. Damit werden die Azubis für die Herausforderungen der modernen Arbeitswelt gerüstet. Für Abiturienten bietet die Schule neuerdings eine weitere Zusatzqualifikation für Azubis mit Abitur an, Management im Handwerk. Der Abschluss wird als ein Teil der Meisterprüfung anerkannt. Ein interessantes Plus, das gut angenommen wird.
Die junge Frau ist derzeit noch mit dem Bau ihres Gesellenstücks beschäftigt. Deshalb gibt es hier noch kein Bild vom fertigen Möbel.
Glücklicherweise besteht aber die Möglichkeit, das fertige Möbel anzuschauen. Die Schreinerinnung Böblingen zeigt in Kooperation mit der Kreissparkasse Böblingen das Gesellenstück von Marissa Mennel und ebenso die Stücke ihrer Mitprüflinge im Forum der Kreissparkasse Böblingen in der Bahnhofstraße 8. Ein Ausstellungsbesuch ist vom Montag, den 20. Juli bis Freitag, den 24. Juli an allen Tagen von 9 bis 17 Uhr möglich.
Mit selbst gebauten Möbelstücken ist die angehende Schreinergesellin übrigens keineswegs fertig. Das nächste Projekt ist mit einer Garderobe bereits auf der persönlichen Auftragsliste. „Diese wird natürlich gestalterisch zum Flurmöbel passen und auch manches beinhalten, was ich liebe“, meint sie schmunzelnd.

