Südliche Sonne am Couchtisch

Schreiner-Gesellenstückausstellung vom 16.-20. Juli

 in der Hauptstelle der Kreissparkasse Böblingen

Die Auswahl an Holzarten für den Bau des Gesellenstückes von Christian Nietsch war riesig.
Hell oder dunkel? Schlicht oder markant? Heimisch oder aus der Ferne? Rot? Weiß? Braun? Violett? Schwarz?
Für Holz von einem Olivenbaum, der zu Lebzeiten viel südliche Sonne abbekommen hat, entschied sich Christian Nietsch, 19 Jahre alt und aus Aidlingen, schließlich. Der angehende Schreiner: „Ich war nicht von vornherein festgelegt, welche Holzart ich verwenden will. Vom Furnierhändler hat mein Chef dann eines Tages einen kleinen Stapel Furnier aus Olive mitgebracht. Als ich das dann aufgefächert und hingelegt habe, hat mir besonders das Wilde am Olivenholz gefallen.“ Man kennt Olivenholz vielleicht von Kunsthandwerkermärkten. Dort werden Kleinprodukte aus Olivenholz wie beispielsweise Kochlöffel, Untersetzer und Schalen angeboten. Optisch ist Olivenholz sehr auffällig. Während der Schreiner das in seiner Fachsprache „wild“ nennt, darf der Nichtfachmann auch das schwäbische „scheckich“ verwenden.
Als Schreinerazubi muss zum Abschluss der Lehrzeit ein Gesellenstück gefertigt werden. Achtzig Stunden Zeit haben die angehenden Gesellen dafür. Christian Nietsch macht seine Ausbildung bei der Schreinerei Schindler, einer alteingesessenen, aber alles andere als angestaubten und altbackenen Schreinerei in Sindelfingen.
„Dass ich einen Couchtisch bauen will, war mir schnell klar. Der jetzige Couchtisch meiner Familie aus Glas ist ziemlich in die Jahre gekommen und ganz schön ramponiert. Bei dem Entwurf und der Gestaltung meines Gesellenstücks hat mir die Familie aber völlig freie Hand gelassen. Das ist auch gut so, denn wahrscheinlich nehme ich den Couchtisch mit, wenn ich von zu Hause ausziehe“, sagt Christian Nietsch mit einem Schmunzeln.
Mit der Planung und Fertigung eines Gesellenstücks muss ein Schreiner-Azubi unter Beweis stellen, dass er den Anforderungen, die man als Betrieb an einen Gesellen stellt, gewachsen ist. Dazu gehört insbesondere, beispielsweise ein Möbelstück selbständig nach Zeichnung zu fertigen. Gewürzt wird die Aufgabe durch das selbständige Gestalten und Entwerfen dieses Möbels.
„Bei meinem Couchtisch mache ich nur die Tischplatte und ein offenes Ablagefach aus Olive. Das bildet dann einen schönen Kontrast zum mattweißen Korpus. Weiß deshalb, weil der Couchtisch zum vorhandenen weißen Mobiliar passen muss.“ Noch ist das Stück allerdings nicht fertig. Nach dreißig Stunden Arbeit ist nicht viel mehr als ein Stapel aus Holzteilen zu sehen. „Da muss ich noch ganz schön ranklotzen“, so Christian Nietsch.
Christian Nietsch muss mit seinem Gesellenstück auch formale Vorgaben erfüllen, die der Prüfungsausschuss der Schreinerinnung Böblingen vorgibt. „Ein drehbares Teil muss dran sein, einen nach alter handwerklicher Tradition handgezinkten Schubkasten muss ich dranhaben und ein Schloss muss ich einbauen.“ Das drehbare Teil ist bei Christian Nietschs Couchtisch eine Klappe, bei den Schubkästen hat er sein Soll mit zwei Schubkästen übererfüllt.
Stellt sich die Frage nach der Funktionalität des Möbels: „Hinter der Klappe finden Brettspiele und ein Schachbrett Platz und sind dann ordentlich aufgeräumt. Und in die Schubkästen kommen die Fernbedienung für den Fernseher und Stifte, die man dann beispielsweise zum Kreuzworträtsel lösen gleich griffbereit hat. Und auf die offene Ablage legen wir die Fernsehzeitung hin“, erklärt Christian Nietsch.
Und wo kann man das fertige Möbelstück anschauen?
Um dem Schreiner als gestaltendem Handwerk ein Schaufenster zu bieten, hat die Schreinerinnung Böblingen in Kooperation mit der Kreissparkasse Böblingen und der Gottlieb-Daimler-Schule 2 in Sindelfingen eine Ausstellung mit Gesellenstücken auf die Beine gestellt. Über zwanzig Gesellenstücke umfasst die Ausstellung, die in der Hauptstelle der Kreisparkasse in der Bahnhofstraße 8 in Böblingen zu den üblichen Schalteröffnungszeiten von Montag bis Donnerstag zwischen 9 und 18 Uhr und am Freitag bis 15 Uhr besucht werden kann.
„Wenn ich jetzt fertig werde, dann will ich in einem Betrieb arbeiten, der wie mein Ausbildungsbetrieb eine computergesteuerte Holzbearbeitungsmaschine –wir sagen CNC dazu– hat. An meiner Berufsschule, der Gottlieb-Daimler-Schule 2 in Sindelfingen, habe ich in einem Zusatzkurz ein Zertifikat zum computergestützten Konstruieren und Bearbeiten als CAD-/CNC-Fachkraft erworben. Es wäre toll, wenn ich das als Geselle einsetzen könnte“, so das Fazit von Christian Nietsch.

 

 

 

 
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