Lust am Leben und Lachen

Theater an der GDS2: "All You Need Is Love"

Die Theaterpädagoginnen Anke Marx und Annette von der Mülbe haben an der Gottlieb-Daimler-Schule Sindelfingen das Theaterstück „All You Need Is Love“ erarbeitet. In der voll besetzten Aula hat die Inszenierung Premiere gefeiert.

„Wovor habt ihr Angst?“, lautete eine der Leitfragen, die Annette von der Mülbe und Anke Marx den Teilnehmern ihrer Theatergruppe an die Hand gaben, um daraus mit Mitteln des biografischen Theaters Szenen zu improvisieren. „Eines Tages kommen Polizisten in die Schule“, lautet die Antwort von Farid Al Saleh auf diese Frage: „Ich werde verhaftet vor den Augen meiner Mitschüler wie ein Verbrecher. Denn Afghanistan gilt als sicheres Herkunftsland.“

Ob Afghanistan für ihn wirklich sicher ist, weiß Farid Al Saleh nicht. Dafür weiß der junge Mann aus Afghanistan andere Sachen „todsicher“: „Dass ich seit meiner Kindheit auf der Flucht bin und meine Eltern seit Jahren nicht gesehen habe. Und dass ich vor jedem Anruf Angst habe, weil eine Freund oder Verwandter von einer Bombe zerfetzt worden sein könnte. Afghanistan ist todsicher. Aber ich will doch leben.“

Beim biografischen Theater gehe es darum, Szenen aus den Geschichten zu entwickeln, die von den Spielern kommen, erläutert Annette von der Mülbe: „Es geht um die Wertschätzung dieser Geschichten.“ Ziel sei ein Theater, das authentisch ist und von den Mitgliedern der Theatergruppe kommt, ergänzt Anke Marx.

Seit November liefen die Proben an dem Theaterprojekt „Teatro Esperanto“, mit dem die Theaterpädagoginnen an das Projekt „Futur II“ aus dem letzten Jahr anknüpften. Mit Unterstützung der der Bürgerstiftung Sindelfingen, der Stiftung „Zenit Campus Mensch“ und unter der Produktionsleitung von Margit Wagner, ehemalige Lehrerin der GDS 2, ist der Fokus diesmal erweitert: Zu den Schülern der Vorbereitungs-Klassen kamen die Berufskollegiaten und Teilnehmer der GWW-Vorbereitungsklassen hinzu.

Neben „Was verbindet euch mit eurer Heimat?“ lautete „Was beschäftigt euch?“ eine der Leitfragen bei der Entwicklung des Stücks. Wie sich herausstellte, können Flucht und Vertreibung an einer menschlichen Grundkonstante nichts ändern: Junge Menschen interessieren sich für das Thema „Jungs und Mädchen“. „Damit war das eigentliche Thema vorgegeben“, erzählt Anke Marx: „All You Need Is Love.“

Anhand verschiedener Szenarien, vom Pizzabäcker über die Studenten-WG bis zum Altenwohnheim, erzählt das fertige Theaterstück deswegen von der Liebe, und zwar mit viel Humor: Dass sich junge Menschen auch durch Fluchterfahrung die Lust am Leben und Lachen nicht nehmen lassen, ist eine weitere menschliche Grundkonstante, von der das Stück erzählt. Lachen, Liebe, Witz, Trauer und Angst liegen bei „All You Need Is Love“ dicht beieinander – wie im echten Leben. Und genau darum geht es im biografischen Theater.

 

 

 

 

 
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