„Am Freitagabend ging die ganze Belegschaft zusammen in den Pub“

Um das zu erleben, muss man nach England oder Irland, denn dort gibt es Pubs.

 

„Für uns Azubis im Handwerk geht das doch höchstens im Urlaub!“ Das würden wahrscheinlich viele sagen, wenn man sie nach ihrer Einschätzung fragt. Aber: Geht auch während der Ausbildung!

Drei Auszubildende im Schreinerhandwerk von der Gottlieb-Daimler-Schule 2 in Sindelfingen haben im Herbst 2015 die Möglichkeit genutzt und ein Auslandspraktikum gemacht. Gefördert mit Mitteln der Europäischen Union im Programm "Erasmus+ Berufsbildung" haben Azubis in Handwerksberufen die Möglichkeit 4 Wochen in einem Betrieb in England oder Irland zu arbeiten. Die Organisation und Durchführung übernahm hier die Handwerkskammer Stuttgart. „Be europe“ heißt das Programm dort.

Zeit muss man investieren für ein Vorbereitungswochenende und Geld kostet es trotz Förderung auch ein bisschen. Aber: Wenn man das Azubigehalt gegenrechnet, das in der Zeit des Praktikums weiterläuft, dann kommt man ungefähr null auf null raus.

„Eine tolle Erfahrung!“ „Wir haben in der Zeit in Gastfamilien gewohnt, die supernett waren.“ „Wir konnten Auslandserfahrung sammeln, unsere Sprachkenntnisse verbessern und sehen, wie in englischen bzw. irischen Betrieben gearbeitet wird.“

Die Praktikumsbetriebe der drei jungen Menschen unterschieden sich stark.

„Wir haben in einem kleinen 2-Mann-Betrieb Möbel gebaut“, so Fiona Langensiepen aus Grafenau.

„Meine Firma war viel größer, so 40 bis 50 Mitarbeiter. Wir haben zum Beispiel Telefonzellen aus Holz in allen möglichen Größen hergestellt, vom Handyparkplatz mit integrierter Ladestation bis zu normalen Telefonzellen im Freien. Außerdem haben wir den Innenausbau und den Möbelbau für ein örtliches College übernommen“ berichtet Timo Görner aus Gäufelden.

Alexander Scholz aus Weil im Schönbuch: „Ganz teuer und exklusiv ging´s bei uns zu! Der Drei-Mann-Betrieb, in dem ich war, hatte auch schon Aufträge aus dem englischen Königshaus!“

Und was läuft in England und Irland anders als bei uns?

Wie schon erwähnt der Pub-Besuch! „Und mit der Arbeitssicherheit nimmt man es dort nicht so genau. Im Lackierraum wird munter geraucht. Bei mir im Lehrbetrieb undenkbar“, so Alexander Scholz. Fiona Langensiepen: „Irgendwie geht´s insgesamt gemütlicher zu und die Arbeitszeiten -9 Uhr anfangen, 17 Uhr Feierabend- kenne ich aus dem Lehrbetrieb auch anders“. „Das duale System gibt´s dort ja nicht. Und das merkt man natürlich auch an der Qualität. Insgesamt war´s eine coole Erfahrung“, so das Resümee von Timo Görner.

Text: Reiner Schmors

Bilder: Reiner Schmors (Bild 1), Timo Görner (Bild 2)

 
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